Kunstaktionen


9. Zyklus

Disco Tristesse
Holz, Styropor, Glasfaser, Spiegel, Klebefolie, Lichtmaschinen
2011

Klasse Prof. Birgit Brenner

Wohl kaum ein anderes Symbol repräsentiert Stuttgart so unmissverständlich wie der Mercedesstern – das über dem Bahnhofsturm rotierende Markenzeichen bringt es täglich zur Anschauung. In den „Bauch“ des Bahnhofs genommen und als „Discokugel“ mit offensiver Lightshow in Szene gesetzt, verspricht es als Identifikationssymbol die Klett-Passage in einen strahlenden Club für alle zu verwandeln. Doch erweist sich das Angebot bald als hohl, nimmt in einer so werbeintensiven Umgebung der aufmerksamkeitsstarke Auftritt einer Marke doch den Charakter einer rein strategischen Maßnahme an.

Ohne Titel
Fuchsfelle, Wachs, verschiedene Materialien
2011

Manuela Bux

Dämonenhaft bäumt sich das Tier vor seinen am Boden kauernden Artgenossen auf. Wie sie ist auch der Betrachter von der geöffneten Bauchhöhle zugleich geschockt und fasziniert. Ein Wegschauen ist kaum möglich, aber zu welchem Preis? Manuela Bux’ (*1984) Installation reflektiert das Bedürfnis des Heraustretens aus der Masse in eindringlichen Bildern. Ein sinnbildlicher Bezug gerade zu virtuellen Begegnungsforen junger Menschen, wo das Zur-Schau-Stellen des Innersten häufig auf Kosten massiver Verletzungen geht, liegt hier besonders nahe.

Ohne Titel (Aphrodite)
Video auf DVD, 2:51 Min.
2011

Lisa Franke

Eine nackte junge Frau bläst Luft in ein gläsernes Gefäß, dessen dunkle Flüssigkeit sich dabei in Schaum verwandelt. Der Blick in den Titel verrät einen erotisch-mythologischen Bezug, wird die griechische Göttin der Liebe doch auch „Schaumgeborene“ genannt. Doch weshalb erzeugt sie den Schaum selbst? Und wie darf man etwa den steinigen Untergrund oder die Geräusche deuten? Lisa Franke (*1985) lässt die Fragen offen und schickt den Betrachter stattdessen augenzwinkernd auf eine Reise durch die Bedeutungsebenen und in seine eigenen Assoziationen.

Ohne Titel
Malerei auf Folie gedruckt, Leuchtkästen, Papier auf Pressspanplatten
2011

Lisa Götze

Gespenstisch flackern leuchtende Bilder von Grimassen auf und verschwinden wieder im Halbdunkel des gekachelten Raumes. Assoziationen treten vors innere Auge: Badezimmerszenen aus Horrorfilmen, Erinnerungen an Spiele, bei denen der lange Blick in den Spiegel das eigene Gesicht immer fremder erscheinen ließ. Oder sind doch nur die vielen Menschen gemeint, die täglich die Klett-Passage durchqueren? Lisa Götze (*1987) konfrontiert den Betrachter mit seinen eigenen Phantasien und bringt auf diese Weise die beklemmende Atmosphäre (nächtlicher) U-Bahnstationen intensiv zum Erlebnis.

Spielbar
Video auf DVD, 5:19 Min.
2011

Julia Isabell Herbrik

Auf dem Screen erscheint ein flacher technischer Aufbau, an dem kurz darauf eine junge Frau wie ein DJ am Mischpult die Regler bedient. Man hört Geräusche: rhythmisches Klicken, ein Zischen. Nach kurzer Pause treten Bilder hinzu: blaue Kreise, Reflexionen. Bild und Sound hängen offenbar direkt miteinander zusammen. Und plötzlich wird klar: Man blickt auf einen gewöhnlichen Gasherd. Von Julia Herbrik (*1983) einer neuen Lesart unterzogen und dabei seiner „nützlichen“ Funktion beraubt, wandelt er sich zum Instrument eines analogen audiovisuellen Konzertes.

I saw you and I knew
Stop-Motion-Animationsfilm, Video auf DVD, 3:20 Min.
2011

Priyanka Jain

Der Bezug zu zwei Musikvideos aus Bollywood- Filmen erschließt sich dem indischen Betrachter sofort: Das „exotische“ holländische Tulpenfeld aus „Silsila“ (1981) ist hier mit dem heimatlichen Senfblumenfeld aus „Dilwale Dulhaniya Le Jayenge“ (1995) collagiert, in dem sich ein junges britisches Paar indischer Abstammung trifft, um dann zu heiraten. Indem Priyanka Jain (*1985) die Blumen durch Rosinen ersetzt (ein ehemals sehr kostbares Nahrungsmittel) wird die Animation zu einer vielschichtigen Reflexion über Migration, Werte in Ost und West und in der Kunst.