Kunstaktionen

18. Zyklus: TRANSITION #6

Armin Bremicker und Katharina Kern | Kurator: Winfried Stürzl
vier Lebensalter

Zusammenfassung

Ein Bällebad, glitzernde Lamettavorhänge, Briefkästen und schwarze Blumen: In den vier Plexiglaskuben der Klett-Passage finden sich Gegenstände aus dem Alltagsleben. Beschilderungen suggerieren zudem das Angebot, die „Kunst als Raum für das eigene Anliegen” nutzen zu können. Handelt es sich hier also um Werbedisplays? Verfremdungen und die ästhetische Anordnung wecken Zweifel. Und ein aufmerksamer Blick enthüllt den inhaltlichen Zusammenhang: den kunstgeschichtlichen Topos der vier Lebensalter. Die unterirdische Passage mit ihren unzähligen Passanten wird zur Metapher des Lebens in einer kommerzialisierten Welt und konfrontiert den Betrachter mit seinen eigenen Reaktionen, Assoziationen und Empfindungen.

ANNA-LIAM
Mixed media
2016

Atelier bremicker.kern

Ein Bällebad in einem transparenten Kubus? Würde man sein Kind an einem so exponierten Ort spielen lassen? Die vier Vitrinen des Ateliers bremicker.kern in der Klett-Passage werfen Fragen auf. Zwar generieren Signalfarben und Aufschriften Aufmerksamkeit, als handle es sich um Werbedisplays. Auch suggerieren die Beschilderungen Angebote. Doch stellen sich bald Zweifel ein: Warum kommt hier Absperrband zum Einsatz? Weshalb werden auf ästhetischer Ebene Bezüge zwischen den Kuben hergestellt? Erst ein aufmerksamer Blick enthüllt den inhaltlichen Zusammenhang: Hier geht es um die vier Lebensalter. Im Sinne des Ausstellungstitels „Transition” wird der Ort zur Metapher eines Übergangs – und konfrontiert den Betrachter mit seinen eigenen Reaktionen, Assoziationen und Empfindungen.

SASCHA
Mixed media
2016

Atelier bremicker.kern

Glitzernde Lamettavorhänge in unterschiedlichen Farben erzeugen eine Stimmung, die zwischen Glamour, Varieté und Nightlife changiert. Ein Notenständer eröffnet das Assoziationsfeld Musik: Handelt es sich hier um einen Proberaum oder die Bühne eines Clubs? Der Name SASCHA – der im Russischen sowohl für Alexandra als auch für Alexander stehen kann – bringt noch einen weitere Bezugsraum ins Spiel: den des Geschlechterverhältnisses oder der Erotik. Eine Kraft, die eng mit dem Lebensalter der Jugend verbunden ist. Der halbverhüllte Ort jedenfalls scheint voller Verheißungen und lässt sich – so suggeriert ein Schild – sogar buchen. Doch was in der Realität einer Einkaufspassage ans Absurde grenzt, ist im World Wide Web längst Normalität: der fast vollständige Verlust von Privatheit und Intimität.

EMPRESA
Mixed media
2016

Atelier bremicker.kern

Mehrere Briefkästen formen sich in der Vitrine zu einer auffälligen Anlage. Handelt es sich dabei um eine Produktpräsentation? Die Aufforderung zum Erwerb oder zur Miete legt dies ebenso nahe wie die Existenz eines Firmennamens. Allerdings bedeutet EMPRESA im Spanischen nichts anderes als „Unternehmen”. Erweitert man den Begriff um „fantasma” hat man es in der Sprache Panamas mit einer „Briefkastenfirma” zu tun. Als Teil einer künstlerischen Arbeit darf man das durchaus wörtlich verstehen: Schließlich wäre es in Zeiten der Spekulation mit hochpreisiger Kunst durchaus denkbar, Geld auch ganz real in der Kunst zu deponieren – etwa, um es am Fiskus vorbeizuschleusen. Das schwarz-gelb gehaltene Absperrband jedenfalls scheint Aufmerksamkeit dafür zu schaffen – und zugleich davor zu warnen.

FINISH
Mixed media
2016
Blumen: Brigitte Amann

Atelier bremicker.kern

Große Blumen mit schwarzen Blüten strahlen Ernst und Würde aus. Gemeinsam mit der Aufschrift FINISH assoziiert man Trauer und Abschied – bedeutet der Begriff doch so viel wie „letzter Schliff” oder „Endspurt”. Im Kontext der vier Lebensalter besteht kein Zweifel: Hier wird Bezug auf des Lebensende genommen. Die Sockel mit ihrem gekachelten Schachbrettmuster zitieren etwa Kirchenfußböden und greifen mit Schwarz und Weiß zugleich Trauerfarben unterschiedlicher Kulturen auf. Auch dieser Kubus macht mit Signalfarben auf sich aufmerksam und bietet sich zur Nutzung an: Ob im realen oder übertragenen Sinn, liegt im Ermessen des Betrachters: ein Angebot des Ateliers bremicker.kern, über Möglichkeiten und Grenzen von Kunst zu reflektieren – und ins Gespräch zu kommen.