Kunstaktionen


6. Zyklus

Mein Schatz
Objekt, Kunststoff, golden lackiert
2010

Tae-kyun Kim

Die Arbeiten des koreanischen Künstlers Tae-kyun Kim (*1975) haben ihren Ausgangspunkt in der alltäglichen Realität. So auch das speziell für die Klett-Passage geschaffene, in Gold gehaltene Objekt. Es erinnert an eine Krone oder ein Schmuckstück, das die Passanten – wie einen Edelstein in einer Miene – im unterirdischen Raum der Passage entdecken können. Erst bei genauem Hinsehen oder dank eines möglichen Vorwissens wird dem Betrachter bewusst, dass die Form des Objekts dem (gebogenen) Grundriss der Klettpassage folgt. Der Künstler wird hier also zum Interpreten des Alltags, der Verborgenes aufspürt, um es in verwandelter Form wahrnehmbar zu machen.

Puls des Alltags
Video auf DVD, ca. 2 Min.
2010

Detelina Piskova

Detelina Piskova (*1981) nimmt in ihrer Arbeit für die Klett-Passage mit der Kamera die Position eines am Straßenrand sitzenden Menschen ein. Ein Ausschnitt der Welt wird wahrnehmbar, den man normalerweise nicht beachtet: Vor dem Raster des Straßenbelags ziehen Füße, Beine, Räder vorbei. Und dank der Beschränkung des Ausschnitts wird deutlich: Jeder Mensch hat seinen ganz eigenen Schritt, seine persönliche Kleidung, seine Individualität. Die Bewegungen der Passanten und Linien verbinden sich mit dem Takt des Pulses schließlich zu einem komplexen Rhythmus, in dem die vielschichtige Dynamik des Alltags ihren ästhetischen Ausdruck findet.

Blechtrommler
Video auf DVD, ca. 2 Min.
2010

Raphael Sbrzesny

In dem von Günter Grass’ Roman „Die Blechtrommel“ inspirierten Video sieht man Raphael Sbrzesny (*1985) vor der Kulisse Möllns auf einem Boot stehen und eine Blechtrommel spielen – für den Künstler ein Instrument, um gegen Unrecht und Unmenschlichkeit zu protestieren. Mölln steht für ihn dabei zum einen als Schlagwort für ausländerfeindliche übergriffe, zum anderen hat ein Jurist, der in den deutschen überfall auf Polen verstrickt war und nie zur Rechenschaft gezogen wurde, hier seinen Altersruhesitz gefunden. Das Video zeigt diese Bezüge nicht explizit, mit seinen entsättigten Farben und den romantisierenden Bildern verweist es jedoch ebenso subtil wie eindringlich auf deutsche Missstände und Geschichte.

beauty cases of narcissism
Videoinstallation, mixed media, Video 4:33 Min.
2010

Charlie Stein

In der für die Klett-Passage konzipierten Installation untersucht Charlie Stein (*1986) die soziale Rolle der Frau und die Konzeption des Scheiterns in Bezug auf gesellschaftliche Konventionen. Ein Sockel aus gestapelten Koffern, die auf Reise und Mobilität verweisen, tragen das Kernstück der Arbeit, das Video. Der gezeigten Darstellerin gelingt es nicht, den Lippenstift an der richtigen Stelle im Gesicht aufzutragen, gleichzusetzen mit dem Nichterfüllen tradierter Erwartungen an Weiblichkeit. Als die Farbe schließlich doch ihre Lippen findet, mutiert sie zum traurigen Clown – ein in der Kunstgeschichte des 20. Jh. häufig wiederkehrendes Motiv, was die Arbeit auch als Reflexion über die soziale Rolle der Künstlerin lesbar macht.

„Speicher“
Objekt, bedrucktes Papier, Leim
2010

Erik Sturm

Litfaßsäulen dienen seit über 150 Jahren als wichtiges Werbe- und Kommunikationsmedium. Da die Anschläge teilweise über Jahrzehnte hinweg nicht abgenommen werden, kann man die Plakatschichtungen als lückenloses, chronologisches Archiv städtischer Werbung begreifen. Erik Sturm (*1982) macht in seinen Objekten aus herausgeschnittenen Litfaßsäulenelementen diese an Jahresringe erinnernden Ablagerungen sichtbar. Die äußerst stabile Materialität des Papier- Leim-Gemischs wird dabei zur Metapher für die Informationsdichte, mit der der Mensch sich in unserer Konsumgesellschaft im öffentlichen Raum tagtäglich konfrontiert sieht.