Kunstaktionen

14. Zyklus: TRANSITION #2

Stefan Bombaci – Renate Liebel – Thomas Putze – Kestutis Svirnelis
Kurator: Winfried Stürzl
Ohne Worte
Metall, Stroh, Thuja, Kunstblumen, Polystyrolspiegel, Moiréband
2014

Stefan Bombaci

Ein opulenter, mit weißen und roten Kunstblumen verzierter Trauerkranz füllt die Vitrine über dem Abgang zur Straßenbahn. Dient er der Ehrung eines prominenten Verstorbenen? Oder handelt es sich um die Werbeplattform eines Bestattungsunternehmers, der in der Passage eine Filiale eröffnet hat? Kein Schild gibt darüber Auskunft. Auch nicht das Moiréband, auf dem weder ein letzter Gruß noch ein Name zu entdecken ist. Der Kranz gibt seine Geschichte nicht preis. Als Fremdkörper wird er zum stummen, unauflösbaren Zeichen inmitten einer lauten Kakophonie von Informationsfetzen. Nur die Reflexionen auf den Blüten, die an Tautropfen erinnern, lassen auf eine bislang unentdeckte Verständnisebene hoffen. Oder erweist auch sie sich letztlich als so bruchstückhaft wie die Spiegelsplitter selbst?

Donutdisteln
Disteln, Donuts
2014

Renate Liebel

Aus einem Gestrüpp trockener Disteln leuchten – bunt und verführerisch – große runde Blüten hervor: Offenbar ein ins Räumliche übertragenes Stillleben oder ein dekoratives Gesteck. Doch erscheinen die fleischigen Blüten fast zu schön, um wahr zu sein. Und bei genauerem Hinsehen wird klar: Es sind in Wirklichkeit Donuts. In der künstlerischen Arbeit von Renate Liebel (*1978) verschmilzt auf immer wieder neue Weise Natürliches und Künstliches zu hybriden Gebilden. Ausgangspunkt der Recherche ist die Ausstellungsumgebung – in diesem Fall die Produkte eines benachbarten Imbissstands. Verbunden mit Pflanzen, die nur in der Einsamkeit gedeihen, ein Verweis auf den Kontrast von Konsum und Weltabgewandtheit – und ein humorvollironischer Kommentar auf die Fragwürdigkeit unserer kitschgetrübten Naturauffassung.

Katacombi
Robinie, Blautanne, Weide, Esche, Christbaumständer
2014

Thomas Putze

Bäume unterschiedlicher Arten und Formen füllen die hell erleuchtete Vitrine bis an den Rand und verbinden sich zu einer Art trockenem Dickicht. Handelt es sich um ein Terrarium ohne Tiere? Oder um eine vergessene weihnachtliche Schaufensterdekoration? Dafür sprächen die Christbaumständer, in denen die Stämme stecken. Aber warum sind dann manche Bäume belaubt? Und einige angesengt? Die Fragen bleiben offen. Stattdessen führt Thomas Putze (*1968) den Betrachter in ein anschauliches Spiel mit Strukturen, Verdichtungen und skulpturalen Qualitäten, die in ihrer teils grob wirkenden Direktheit einen starken Kontrast zur artifiziellen Umgebung der Klett-Passage bilden – ein Sinnbild für Wünsche oder Ängste, in die man sich angesichts der unterirdischen Einkaufs- und Verkehrswelt leicht zu verstricken droht.

Die Herde
Hosen, Schuhe, Holz, Gebläse, Elektronik
2014

Kestutis Svirnelis

Astrid Schindlers (*1983) Raumzeichnungen entstehen häufig in einer direkten Auseinandersetzung mit architektonischen Gegebenheiten. Flächige Muster und Raster reagieren auf Wände und Fenster, suggerieren Räumlichkeit oder spielen mit dem Moment des Ornamentalen. Für die Arbeit in der Klett- Passage wurde ein Kreis aus Plexiglas schräg in den Ausstellungskubus gestellt und eine Seite mit einer unregelmäßigen Tuscheschraffur bedeckt. Die Form der Kreisscheibe nimmt durch Größe, Lage und Material Bezug auf den vorgegebenen Plexiglaskubus und lässt ihn so zu einem Teil der Installation werden. Dank der unterschiedlich reflektierenden Flächen verschränken sich Zeichnung, Installation und Umraum zu einem – vom Betrachterstandpunkt abhängigen – dynamischen Ganzen.