Kunstaktionen

15. Zyklus: TRANSITION #3

Nana Hülsewig und Fender Schrade – Justyna Koeke – Performance Electrics – Sylvia Winkler/Stephan Köperl
Kurator: Winfried Stürzl
Die schönen Dinge des Lebens
Video, 5:24 Min.
2014

Nana Hülsewig und Fender Schrade

Ausgehend von alltäglichen Situationen untersuchen Nana Hülsewig und Fender Schrade (alias NANA&FRIENDS) Fragen nach gesellschaftlichen Normen, Rollen und Identitäten. Das Video „Die schönen Dinge des Lebens“ basiert auf einer Intervention am Kosmetik-Counter einer Luxusmarke. Eine potenzielle Kundin (Hülsewig) greift – per Smartphone von einem „Markenfan“ (Schrade) dokumentiert – nach dem Klassiker, dem Chanel-Rot. Doch färbt sie sich nicht die Lippen, sondern völlig überraschend das Gesicht – eine skurrile und humorvolle Überschreitung des Gewohnten, die Passanten und Verkaufspersonal ebenso irritiert wie den Betrachter. Und eine Geste, die Fragen um die Sehnsucht nach individueller Schönheit jenseits vorgegebener Normen aufwirft.

Internationale Freundschaft
Stoff, Füllmaterial
2014

Justyna Koeke

Die Textilarbeiten von Justyna Koeke (*1976) entstehen als Objekte oder als Kostüme und Requisiten für ihre Performances. Den Kubus in der Klett-Passage hat die Künstlerin mit Gesichtern von Menschen aus aller Herren Länder gefüllt – eine Art Querschnitt durch die Bevölkerung, wie er an einem solchen Ort tagtäglich anzutreffen ist. In ihrer schrillen und plakativen Bildsprache an Comics und Videospielen orientiert, erscheinen die Gesichter bunt und fröhlich – und reflektieren doch zugleich auch die groben Klischees, mit denen wir gewohnt sind, Menschen anderer Herkunft zu sehen. Dadurch, dass alle auf engstem Raum zusammengedrängt sind, lässt sich das Bild aber auch auf andere Weise deuten: In einer globalisierten Welt wie der unseren zählt die Vielfalt – und jeder bildet letztlich eine Facette der Menschheit.

PV Guerilla
Recycling-Photovoltaikpanel, Hochspannungsmast-Fragment
2014

Performance Electrics

Das von Pablo Wendel (*1980) gegründete Unternehmen Performance Electrics gGmbH ist gemeinnütziger Stromanbieter und Kunstprojekt gleichermaßen. Im Zuge von Aktionen und Performances oder über Skulpturen wird sogenannter Kunststrom® gewonnen – Strom, der selbst zum Kunstwerk wird. Das in der Klett- Passage ausgestellte Modul „PV Guerilla“ ist Teil einer Edition von stromerzeugenden Skulpturen aus fragmentierten Hochspannungsmasten und recycelten Solarmodulen. Ihr Strom lässt sich direkt über die Steckdose ins Netz einspeisen. Der Mieter wird Teil eines dezentralen Kunststromnetzes und – nach einigen Jahren Leasingzeit – Besitzer einer künstlerischen Arbeit. So bringt Performance Electrics nicht nur Bewegung ins Energiegeschäft, sondern hinterfragt zugleich die Mechanismen des Kunstmarkts.

Max.
Erdaushub, Folienbuchstaben
2014

Sylvia Winkler/Stephan Köperl

Das Künstlerpaar Stephan Köperl (*1966) und Sylvia Winkler (*1969) reagiert in seinen ortsbezogenen Interventionen meist auf eine gesellschaftliche oder politische Situation. Ihren Kubus in der Klett- Passage haben sie bis zur Belastungsgrenze mit Erdaushub gefüllt und einem Zitat aus Franz Kafkas „Der Riesenmaulwurf“ gegenübergestellt. Der Titel der Arbeit – „Max.“ – verweist dabei nicht nur auf die eingebrachte Menge an Material, sondern augenzwinkernd auch auf ein Maskottchen der Bahn gleichen Namens. In Literatur und Philosophie erstreckt sich das Bild des Maulwurfs u.a. vom Symbol der Unterminierung gesellschaftlicher Ordnung (Shakespeare) bis zu dem der Revolution (Marx). Schopenhauer schließlich beschreibt das Leben des Tiers als ein Geschäft, dessen „Ertrag bei weitem nicht die Kosten deckt“.