Kunstaktionen


10. Zyklus

Goldener Käfig
Gips, PU-Schaum, Federn, Holz, Draht, Papier
2012

Yaron Bekker

Eine menschliche Figur mit gefiedertem Flügel sitzt am Rande eines länglichen Vogelkäfigs. Sie rupft für ihren zweiten Flügel Tauben, von denen einige bereits tot am Boden liegen. Aus Bruchstücken von Realität zusammengesetzt, erscheint Yaron Bekkers (*1985) Arbeit als Konstrukt: als Sinnbild des menschlichen Wunsches zu fliegen, Freiheit zu erlangen. Doch der geneigte Kopf verrät Melancholie, geht individuelle Ungebundenheit doch immer auch auf Kosten anderer (Wesen). Ob unter diesen Voraussetzungen der „Goldene Käfig“ der eigenen Existenz tatsächlich verlassen werden kann, bleibt offen.

Heumelig
Heu
2012

Sabine Fessler

Wie ein transparenter Heuschober schwebt der Plexiglas-Kubus von Sabine Fessler (*1984) über den Bahnsteigen der Klett-Passage und bringt mit seinen duftenden Gräsern und Wiesenblumen etwas vom ländlichen Sommer in die Ruhelosigkeit des Verkehrsbauwerks: Eine „geballte Idylle“ mitten im urbanen „Ballungsraum“. Von der ganzen Familie der Künstlerin für die Ausstellung geerntet, getrocknet und in die Stadt transportiert, hat die Heuinstallation auch eine performative Komponente: Sie wird zur „sozialen Skulptur“ an deren Ausformung – bis hin zum Betrachter – alle beteiligt sind.

Fremder
Polyester, Acrylfarben, Glas
2010

Sang Yong Lee

Eine menschliche Figur, über und über von Haaren bedeckt, den Blick nach oben gerichtet, als würde sie einem imaginären Gegenüber konzentriert, aber verständnislos in die Augen starren – die Skulptur des koreanischen Künstlers Sang Yong Lee (*1976) thematisiert auf eindringlich Weise das Gefühl des Fremdseins. Allein die Anwesenheit der – dank ihres Realismus – so fremd wirkenden Figur löst im Betrachter ein wenig ängstliches Unbehagen aus. Blickt man aber genauer auf den Sachverhalt, ist im Grunde jeder Mensch anders als die anderen. Folglich kann auch jeder überall ein Fremder sein.

Ohne Titel | Friedenskuss | In and Out
Videos auf DVD, 1:38 Min. im Loop | 1:10 Min. im Loop | 4:30 Min.
2011

Ines Skirde

Die Videos von Ines Skirde (*1986) zeigen einfache, unspektakuläre Handlungen: Ein Klatschspiel, einen Kuss, das An- und Ausziehen einer Strumpfhose. Doch sind sie ganz auf das Elementare reduziert, so dass die Lesart völlig offen bleibt. Sieht das ästhetische Auge etwa grafische Strukturen und ausgeglichene Bewegungen, erkennt der Soziologe Kommentare zum Rollenbild von Mann und Frau; ein Dritter wiederum mag sich in Erinnerungen an eigene Erlebnisse ergehen. Die Bilder werden zur Projektionsfläche für die Sichtweisen des Betrachters – und damit zum Spiegel seines eigenen Blicks.