Kunstaktionen


7. Zyklus

Balance, der Traum der Schwerelosigkeit
Video auf DVD, 4:09 Min.
2010

Antje Booß

Eine menschliche Figur balanciert auf dem Geländer eines Treppenhauses nach oben – einziges Hilfsmittel: eine Holzlatte. Aus unterschiedlichen Perspektiven gefilmt und begleitet vom regelmäßigen Geräusch der aufklopfenden Latte, verdichtet sich der Rhythmus von Bild und Klang zu einer subtilen ästhetischen Ebene, die vom Betrachter fordert, ebenso aufmerksam zu sein wie die Performerin (*1975) selbst. Sich voll und ganz auf die Situation einzulassen ist demnach nicht nur Voraussetzung für den Erfolg des gefährlichen Aufstiegs, sondern auch für die Betrachtung der Arbeit.

Entscheidung
Video auf DVD, 4:14 Min.
2010

Lena Bopp

Zwei Hände versuchen eine Reihe von sechs Löffeln neu zu sortieren – erst sachte, dann immer wilder, beinahe panisch – bis schließlich eine befriedigende Reihenfolge gefunden scheint. Da alle Löffel optisch gleich sind, ist die Neuordnung im Grunde sinnlos. Mit dem Titel „Entscheidung“ verweist Lena Bopp (*1983) den Betrachter auf eine psychologische Ebene, auf der ähnliche Mechanismen eine Rolle spielen: Auch in Bezug auf das eigene Tun denkt man oft lange hin- und her. Und die Frage bleibt: Kehrt man einfach zum Ausgangspunkt zurück oder bringt allein der Prozess eine neue Qualität ins Spiel?

Faceless Guardian
Bleiverglasung
2010

Micha Dengler

Micha Dengler (*1985) untersucht in seinen Arbeiten die Wirkungsweisen neuer Medien. Seine Installation für die Klett-Passage erscheint zunächst als sakrales Fensterbild. Doch erweisen sich die Motive als Symbole bekannter Internetoder Computerfirmen. Das Triptychon wird so zum hinterleuchteten Bildschirm, der – analog zu mittelalterlichen Glasfenstern – Einblicke in eine magisch-religiöse Welt verspricht. Der „Faceless Guardian“ hat als Wächter der Medien den „Guten Hirten“ ersetzt und repräsentiert mit „Strato-Weltkugel“ und „Reichs-Apple“ seinen Weltherrschaftsanspruch.

o.T.
Pappe, Farbe, Holz
2010

Florina Leinß

Florina Leinß (*1984) arbeitet mit Symbolen und Zeichensystemen aus dem Alltag. So auch in ihrer Arbeit für die Klett-Passage: Zwei schwarze Pfeile schweben in dem Plexiglaskubus und scheinen einander zu umkreisen. Ihrer „nützlichen“ Funktion als Zeichen enthoben, entfalten sie ihr ganzes Potenzial als ästhetische Körper: Ihr Volumen tritt ebenso in den Vordergrund wie die Lebendigkeit ihrer formalen Gestaltung, die Bewegung suggeriert und damit zugleich auf die durch die Klett-Passage eilenden Menschenmassen verweist.

Indigestion [Verdauungsstörung]
Video auf DVD, ca. 6:52 Min.
2010

Juan de Peña Perez

Juan de Peña Perez (*1986) untersucht in vielen seiner Arbeiten das Thema Konsum. So auch in dem Video für die Klett-Passage, in dessen Verlauf ein junger Mann Stück für Stück eine Cola-Flasche verspeist – zunächst ein symbolischer Akt der Konsumübersteigerung. Allerdings verschwindet dabei nicht der flüssige Inhalt, sondern die gläserne Verpackung mitsamt den Etiketten und damit der Marke. Der Künstler charakterisiert die Aktion daher wie folgt: „Ein bestialisches Essen wendet sich gegen sich selbst und macht klar, dass es Zwergen möglich ist, Giganten beherrschen zu können...“.

Still Working
Folie, verzinktes Eisenrohr, Klebestreifen
2010

Julien Viala

Der Plexiglaskubus ist von innen teils mit schwarzer, teils mit halbtransparenter Folie ausgekleidet. Dahinter erkennt der Betrachter ein Objekt – offenbar ein gebogenes Rohr – dessen Konturen sich nach innen hin verlieren. Eine Baustellensituation? Oder eine Art „Raumzeichnung“, die mit den Qualitäten von Alltagsmaterialien spielt? Die Ambivalenz ist bei Julien Viala (*1978) Konzept. Und dank der ausgesprochen konsequenten Komposition bleibt die Antwort auf die Frage, ob es sich um Kunst handelt, bewusst im opaken Raum des Kubus verborgen.

Par coeur
Stop-Motion-Film, Video auf DVD, 4:06 Min.
2010

Katharina Volkmer

Katharina Volkmer (*1985) ist Zeichnerin. Auch ihre Filme entwickelt sie daher aus der Zeichnung heraus und überführt sie mit Hilfe der Stop- Motion-Technik in Bewegung. Doch spielen darin nicht nur die virtuos skizzierten Figuren und Symbole eine Rolle, das als Grundlage dienende Papier selbst wird zum Hauptprotagonisten. In der Auseinandersetzung mit seiner Materialität – und vor der Folie seiner Wechselwirkungen mit der Zeit – entfalten Stift, Tusche und Farbe ihre oft beiläufig scheinenden, lebendigen Narrationen.