Kunstaktionen

16. Zyklus: TRANSITION #4

Manuel Knapp – Pia Maria Martin – Anne Römpp und Julia Wenz – Michael Stopper
Kurator: Winfried Stürzl
construction in progress
Bühnenmolton, Holz, Fäden, LED-Schwarzlicht
2015

Manuel Knapp

Manuel Knapp (*1984) schickt den Betrachter auf eine Reise in seine eigene Wahrnehmung. In dem dunklen, surreal wirkenden Raum fügen sich schimmernde Linien zu einem dreidimensionalen Motiv. Es erinnert zunächst an das 3-D-Bild auf einem Monitor. Ein aufmerksamer Blick in die beiden Öffnungen aber legt nahe, dass man es mit zwei Ansichten einer „Fadenzeichnung“ zu tun hat. Bewegt man sich horizontal oder (per Rolltreppe) vertikal an dem Motiv vorbei, gerät es allerdings plötzlich selbst in Bewegung. Es verändert seine Gestalt und lässt die zunächst architektonisch wirkende Formgebung als eine malerisch-abstrakte erscheinen. Die Vorstellung einer vertrauten Form weicht der Wahrnehmung des realen Sachverhalts – bis hin zur Auflösung der angenommenen Tiefe des Raums und der Einheit des Motivs.

happy feet
Mixed media
2015

Konstruktion: Hans Martin
Steuerung: Paper Blattmacher

Pia Maria Martin

Wie in vielen Videos von Pia Maria Martin (*1974) scheinen auch in dieser kinetischen Arbeit die Objekte ein skurriles Eigenleben zu führen: Eng in den Kubus zusammengedrängt, stolpern an Stangen befestigte „Füße“ durch den Raum, von einem Mechanismus immer wieder neu angetrieben. Das bekannte Mitspiel-Kinderlied „Zeigt her Eure Füße“, das im Hintergrund zu hören ist, besingt parallel dazu in rhythmischen Versen die sich wiederholenden Tätigkeiten von Wäscherinnen sowie ihren Tanz. Und so darf man in der Arbeit gewiss die bewusst linkische Interpretation einer mechanischen Choreografie erkennen. Vielleicht aber auch eine Metapher auf den Ausstellungsort, in dem auf dem Weg ins Büro oder in den Club tagtäglich Zehntausende Paar Füße ein meist unbeachtetes, fröhliches Ballett vollführen.

Vitrine en cours
Mixed media
2015

Anne Römpp und Julia Wenz

In ihrer gemeinsamen Arbeit für die Klett-Passage untersuchen Anne Römpp (*1980) und Julia Wenz (*1973) das Ausstellungsformat selbst: Aquarien, Glasscheiben, farbige Folien, Kacheln und andere Fundstücke aus ihrem Atelier fügen sich zu einem großen, zusammenhängenden Arrangement. In einem langen Prozess gemeinsam entwickelt, sind die einzelnen Teile der Arbeit und ihre Positionierung immer auch auf die Grundform und die Materialität der sie einfassenden Vitrine selbst bezogen. Es entstehen Binnenschauräume, die eine eindeutige Trennung zwischen Display und künstlerischer Arbeit letztlich unmöglich machen; und auch dem Faktor Zeit Rechnung tragen: Denn durch den niedergehenden Staub werden sich im Lauf eines halben Jahres Farbigkeit und Transparenzen langsam, aber stetig verwandeln.

o.T. 2015
Mixed media
2015

Michael Stopper

Mehrere voluminöse Scheiben in unterschiedlichen Farben sind so zueinander positioniert, dass sie sich zu einem spannungsreichen Objekt fügen. Zugleich lassen sie sich als Variationen eines Themas verstehen, sind ihre von Kreissegmenten bestimmten Umrissformen einander doch sichtlich verwandt. Architektonisch Versierte erkennen möglicherweise den gotischen Dreipass, der sich als Ausgangsidee in ihnen verbirgt. Doch ist er nur noch als Formprinzip innerhalb einer spielerischen Ästhetik zu erahnen, die eher an die Minimal Art der 1960er-Jahre erinnert. Michael Stopper (*1985) arbeitet häufig mit Formen, die er vorfindet, isoliert und – frei von ihren ehemaligen Bedeutungen und Bezügen – in einen neuen Kontext überführt. Ein Verfahren, das im Bereich der Musik mit dem Begriff „samplen“ bezeichnet wird.