Simone Eckert

Unwetter
C-Print auf Folie, Scheinwerfer, Gedicht, 2008

Die Fotokünstlerin Simone Eckert (*1978) hat eine der Ausstellungs- Vitrinen in einen großen Leuchtkasten umgewandelt. Der Betrachter
sieht darauf das stimmungsvolle Panorama-Bild eines Unwetters.
Allerdings wird die gewohnte Wahrnehmungsweise durch die Schau
von außen auf den Rundumblick regelrecht umgestülpt: Ähnlich wie
in Rainer Maria Rilkes Konzept des „Weltinnenraums“ entsteht ein
in sich geschlossener Kosmos, der Innen und Außen, Subjekt und
Objekt neu definiert und verbindet.


Ich sehe den Bäumen die Stürme an,
die aus langgewordenen Tagen
an meine ängstlichen Fenster schlagen,
und höre die Fernen Dinge sagen,
die ich nicht ohne Freund ertragen,
nicht ohne Schwester lieben kann.

Da geht der Sturm, ein Umgestalter,
geht durch den Wald und durch die Zeit,
und alles ist wie ohne Alter:
die Landschaft, wie ein Vers im Psalter,
ist Ernst und Wucht und Ewigkeit.

Wie ist das klein, womit wir ringen,
was mit uns ringt, wie ist das groß;
ließen wir, ähnlicher den Dingen,
uns so vom großen Sturm bezwingen, –
wir würden weit und namenlos.

Was wir besiegen, ist das Kleine,
und der Erfolg selbst macht uns klein.
Das Ewige und Ungemeine
will nicht von uns gebogen sein. (…)

Aus Rainer Maria Rilke: „Der Schauende“, 1901